Fandom

Mini-Wikia

Girlism

1.771Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Diskussion0 Teilen

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Girlism

Girlism ist eine Bezeichnung für verschiedene kulturelle Mädchenszenen. Seit Beginn der 90 Jahre zeigen so Mädchen und Frauen ihre Auffassung von Feminismus. So bestehen diese Jugendkulturen fast ausschließlich aus Mädchen und Frauen. Dies wird auch als „Dritte-Welle-Feminismus“ bezeichnet.

Riot-Grrrl-Bewegung

Begriffserläuterung

Die Bezeichnung Grrrl, soll das Grollen und Knurren ausdrücken, welches im Gegensatz zu dem Wort Girl stehen soll. Girl oder Mädchen trägt deren Auffassung nach das Bild eines braven, dummen und angepassten Mädchens mit sich. Grrrl dagegen drückt Aggressivität und Provokation aus. Riot bedeutet Aufruhr, Wiederstand und Tumult. Riot Grrrls, sind also junge Mädchen, die auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen, sich nicht in konventionelle Rollenbilder pressen lassen und selbstbewusst und unabhängig durch das Leben gehen.

Anfänge

Anfang der 90ger Jahre taten sich in den USA Frauen und Mädchenbands zusammen, die sich als Riot Grrrls verstanden. Der Musikstil lag hauptsächlich bei Punk und Grunge. Es bildete sich eine eigene Szene mit feministischer Netzwerkstruktur. Dazu gehörten Musiklabels, Zines und E-Zines, sowie eine intensive Kommunikation untereinander. Die Bands entstanden aus der Unzufriedenheit heraus, dass die Musikszene von den Männern dominiert wurde. Frauen waren allenfalls schmückendes Beiwerk. Prägend waren hierbei die Bands „Bikini Kill“ und „Bratmobile“. Die Texte griffen Themen wie Sexismus, sexueller Missbrauch, Frauendiskriminierung, Vergewaltigung und sonstige Missstände auf und handelten nicht selten von persönlichen Erfahrungen. Die Absicht, die dahinter stand, war das Private politisch zu machen. Musik erweist sich hierbei als sinnvolles Sprachrohr, weil damit viele Menschen erreicht werden können. Hier sollte ein Zeichen gegen den üblichen Trend, des Konservatismus und den Rückzug ins Private in den USA gesetzt werden. Neben der Musik wurden die Vernetzung und das feministische Bewusstsein der Frauen und Mädchen gefördert. Durch Selbstverteidigungskurse, Workshops und Gesprächsgruppen über Rollenbilder, Essstörungen, AIDS und Lesbische Liebe wurde aktiv zur Partizipation aufgefordert.

Strategie und Performance

Eigene unabhängige Labels

Um sich von der männerdominierten Musikwelt abzugrenzen und Unabhängigkeit zu gewahren, bildeten sich eigene kleine Lables. Diese waren vollkommen unabhängig von den großen Plattenfirmen wie Sony, EMI oder Polygram. Oft hatten diese Lables ihren Sitz in Privathaushalten. Zwar hatten sie wenig Geld und nur kleine Auflagen, dafür aber ein riesiges Netzwerk. Bekannt und immer noch unabhängig sind „Kill Rockstars“ in Olympia/ Washington und „Chainsaw“ in Portland/Oregon. In Berlin gründete sich 1998 „Flittchen Records“ und 1999 „Megapeng Records“ nach der Philosophie der Riot Grrrl- Kultur.

Feministische Konzertpolitik

Konzertbühnen sollten antipatriarchalische Räume darstellen. Sexistisches Verhalten und Männerdominanz waren unerwünscht. Oft waren die ersten zehn Reihen ausschließlich Frauen vorbehalten. Zu Beginn der 90ger Jahre wurden Männer auf vielen Konzerten gänzlich ausgeschlossen. Hier sollten Mädchen und Frauen sichere Räume geboten werden und die Möglichkeit sich untereinander Auszutauschen, sowie sich ungezwungen ohne unter der Beobachtung von Männeraugen bewegen zu können.

Kritik am traditionellen Rockstar

Ein Hauptkritikpunkt der Rio Grrrl- Bewegung war, dass der Rockstar meist eine aktive Position einnimmt und die Fans die Rolle des passiven Konsumenten haben. So entsteht ein Subjet-Objekt Verhältnis. Dies wollten die Riot Grrrls aufheben und bieten bis heute alternative Aufführungsmöglichkeiten. So besteht für Konzertbesucherinnen die Möglichkeit ebenfalls spontan etwas vorzutragen und zu partizipieren. Gleichzeitig bestehen viele Musikerinnen darauf nicht als Star gefeiert zu werden. Neben der Musik arbeiten und engagieren sie sich in Frauenhäusern oder andere feministische Einrichtungen. „Starallüren“ werden nicht praktiziert. Es soll also nicht nur die Musik sein, die im Vordergrund steht, sondern die gesamt Lebenspraxis. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Musikerinnen nach wie vor keine Verträge mit den großen Lables abschließen und daher nicht von der Musik alleine leben können. Das Image vom trägen, verantwortungslosen Rockstar soll gänzlich vermieden werden. Die Position zu haben, auf der Bühne zu stehen soll daher genutzt werden um feministische und antisexistische Anliegen auszudrücken und nicht nur das „sich bloße Feiern lassen“.

Bühnenperformance

Generell gilt es das „klassische“ Weiblichkeitsbild herauszufordern. Die Darstellungen auf der Bühne sind laut und wild, nahezu aggressiv. Es wird geschrieen, gesprungen und auf die Instrumente eingedroschen. Ausdrücke, die ursprünglich von Männern genutzt werden, um Frauen zu verletzten, wie „Bitch“, „Slut“ oder „Dyke“ werden als Parolen benutzt und zieren T-Shirts. So werden die eigentlich frauenfeindlichen Ausdrücke selbstbewusst genutzt und damit verliert sich die entwertende Eigenschaft dieser Ausdrücke. Dennoch ist die Bühnenperformance bei den Riot Grrrl- Bands nicht einheitlich. Einige bedienen sich männlicher Attribute, wie zum Beispiel aufgeklebte Schnurrbärte. Andere zeigen sich in einer „übertriebenen“ Weiblichkeit, die sich durch blonde Lockenperücken, Federboa oder lange festliche Kleider auszeichnet. Grundsätzlich gilt es Dinge aus ihren gewöhnten Zusammenhängen zu lösen, sie neu zu kombinieren und ironisch in Szene zu setzten. Die traditionellen Rollenbilder werden damit angezweifelt und gesellschaftliche Zwänge offen dargelegt ohne dabei auf Spass und Parodie zu verzichten

Die Songs und ihre Themen

Der Themenkomplex in den Songs der Riot Grrrl- Bands heben sich merklich von „klassischen“ Rocksongtexten ab. Meist handeln die Texte von der Rolle der Frau in der patriarchalischen Gesellschaft. Die Lieder handeln von Schönheitsnormen und ihren Zwängen, sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, Inzest. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Verbalisierung von lesbischer Liebe, „[Girl Love]“. Generell zieht sich durch alle Lieder eine frauensolidarische Haltung, so wie der Aufruf aktiv gegen die gesellschaftlichen Missstände etwas zu unternehmen.

Zines

Begriffserläuterung

Der Begriff „Zine“ leitet sich von „Fanzine“ ab, der sich wiederrum aus den Begriffen „[Fan]“ und „[Magazine]“ ableitet. Diese Fanzines traten in den 70ger Jahren erstmals in England auf. Sie wollten sich bewusst von den Massenmedien abgrenzen und ein authentisches Bild der damaligen Punkszene wiedergeben. Der Schwerpunkt liegt hier bei der jeweiligen Musik und ihrer Kultur. Die Zines der Riot Grrrls beziehen sich nicht nur auf ihre Musik. Zentral sind hier der Dialog und der direkte Kontakt zu Frauen und Mädchen aus aller Welt, die sich zur Grrrl-Szene hingezogen fühlen. Durch die Zines wird das Netzwerk gestärkt und ausgebaut. So können auch Frauen, die zu weit weg leben, um an Veranstaltungen aktiv teilzunehmen, sich informieren. Die Thematik ist vielseitig aber immer von einem feministischen Standpunkt aus betrachtet. Die Sprache in einfach und verständlich. Jeder kann und darf hier eigene Erfahrungen und Standpunkte schreiben und veröffentlichen. Zines sollen eine öffentliche Plattform für Frauen und Mädchen sein, in denen sie auch etwas über Termine, Veranstaltungen oder ähnliches Erfahren. Auch hier soll sich bewusst von Mainstream abgegrenzt werden. Die Verteilung findet nicht in Läden sondern privat statt. Viele müssen sich ihr Zine von der jeweiligen Herausgeberin bestellen. Auch ist eine regelmäßige Erscheinung nicht garantiert. Siehe auch Zine in Wikipedia

Gestaltung und Herstellung

Bei der Gestaltung wird sehr auf die persönliche Note geachtet. Collagen, Handschriftliche Texte mit kleinen Schnörkeleien und selbstgemalte Comics sind keine Seltenheit. Zines sollen sich erheblich von Hochglanzmagazinen abheben. Zensur oder ein geordnetes Layout wird nicht zu finden sein. Viele Mädchen entschließen sich ohne Vorwissen kurzerhand selbst ein Zine zu produzieren und einfach zu fotokopieren. Die Auflage bewegte sich oft nur zwischen 30 – 500 Exemplaren. Die leicht unprofessionelle und verspielte Aufmachung ist demnach Absicht.

E-Zines

Durch die Einführung des Internets boten sich erhebliche Vorteile für die Verbreitung von Zines. Druck- und Papierkosten fallen weg, sie könne schneller aktualisiert werden und die ganze Welt erreichen. Auch Interaktion und Diskussion wurden einfacher und schneller. Zwar ist die Gestaltung der E-Zines weniger persönlich, doch trägt der Zugang der Zines durch das Internet dazu bei, dass mehr Frauen im virtuellen Raum partizipieren. E-Zine oder auch Femizines zeichnen sich dadurch aus, dass sie wie auch die Paperzines unabhängig produziert sind. Ihre Stärke ist die dichte Verlinkung und Verweisung auf andere Seiten und Netzwerke. Die Idee des „Riot Grrrl“ kann so effektiver, flexibler und nachhaltiger in die Welt getragen werden. Längst sind die Grrrl über die Grenzen der USA hinausgetreten. Zusätzlich macht die anonyme Eigenschaft des WWW es vielen Mädchen und Frauen einfacher, sich einzubringen. Ein Zentrales Merkmal ist der Humor und die Ironie, die sich durch die Zines ziehen. Aber auch die Themen, die schon in der Musik und in den Paperzines aufgegriffen werden, sind hier behandelt. Siehe auch: E-Zine in Wikipedia

Girlie-Kultur

Mitte der 90ger entwickelte sich ein völlig neuer Mädchentyp: Das Girlie. Es handelt sich hierbei um sehr mädchenhaft erscheinende heterosexuelle junge Frauen, die ihre Weiblichkeit nicht verbergen, aber die Verantwortungen des Erwachsenseins nicht auf sich nehmen wollen. Der Begriff Girlie ist schwer zu definieren und hat sich hauptsächlich durch die Medien manifestiert. Als prominente Vertreterinnen dieser Kultur können die „Spice Girls“ oder „Blümchen“ in Deutschland betrachtet werden. Die Idee des Girlie erwies sich vor allem Massen- und Medientauglich. VIVA, Bravo, [1] etc. propagierten dieses Weiblichkeitsbild in der Gesellschaft. Die Modeindustrie profitierte an dem Trend des frechen Lolita-Looks. Niedliche Spängchen, Zöpfchen und kurze Röcke, werden zusammen mit Springerstiefeln getragen. Die Farben sind bewusst Mädchenhaft in Rosa und Pastelltönen gehalten. Girlies erscheinen frech, selbstbewusst und setzen gezielt ihre Reize ein, um somit Macht über die Männer zu suggerieren. Spass und Mode sind dabei oberstes Gebot Doch auch die medialen Inszenierungen setzten hierbei bloß auf Schönheit und romantische Liebe als Lebenssinn. So zeigt sich, dass die scheinbar selbstsichere, autonome Darstellung, letztendlich ein naives, stereotypes und von der Mode- und Männerwelt abhängiges Mädchenbild aufzeigt. Auch gibt es keine Organisationstrukturen wie bei den Riot-Grrrls. Selbständiges Musikmachen, kreatives Arbeiten oder gar Netzwerke entstanden dadurch nicht. Genau genommen kann hier also nicht von einer eigenständigen Sub-Kultur gesprochen werden, sondern von einer Medieninszenierung.


Girlism Heute

Ladyfeste

Im Jahr 2000 entsand in Olympia/Washington eine neue Entwicklung des modernen Feminismus: Die Ladyfeste. Um sich von dem Image des Girlies abzuheben, die nach der Auffassung der ursprünglichen Riot Grrrls, ihre politische und feministische Aussagekraft verloren hatten, etablierten sie den Begriff „Lady“. Dieser wirkt souveräner, reifer und gewissenhafter. Die damit neu entstehende Identität soll älter, erfahrener und trotzdem sexy wirken. So entstanden die sogenannten „Ladyfeste“. Zunächst in den USA, mittlerweile auch in Europa und Deuschland. Ladyfeste sind nichtkommerzielle Veranstaltungen, die eine feministische Plattform für Kunst, Musik, Literatur und Theater darstellen. Hier wird ein öffentlicher Raum geboten, der frei von Sexismus und Gewalt ist. Männer sind hier ausdrücklich erwünscht, da es für wichtig erachtet wird, sie in der feministischen Bewegung einzubringen, statt auszugrenzen. Die Hauptidee ist die Weiterentwicklung des Riot Grrrls. Nicht das rebellische, wilde und weltfremde Erscheinungsbild wird hier propagiert, sondern das Bild einer Frau, die sich ihrer Stärken und Fähigkeiten bewusst ist. Es ist nicht mehr der Kampf nach Anerkennung, der im Vordergrund steht, sondern die Vermittlung eines positiven Weiblichkeitsgefühls. Ein weiteres Ziel des Ladyfests ist das Aufzeigen des Systems der Zweigeschlechtlichkeit als soziokulturelle Prägung einer hierarchischen Gesellschaft, die das Verhältnis von Männlichkeit und Weiblichkeit als Polarität darstellt, und dessen Dekonstruktion. Siehe auch Ladyfest bei Wikipedia

Riot Grrrl 2011

Nach der weltweiten Slutwalk Bewegung gründeten sich neue Riot Grrrl Chapter, unter anderem in Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, Ruhrgebiet und Wien.

Weblinks

Ausführliche Liste feministischer Zines: http://zinewiki.com/index.php?title=Category:Feminism

Umfangreiche Liste E-Zines aller Sprachen: http://grrrlzines.net/zines/N.htm

Liste aktueller Ladyfeste weltweit: http://www.ladyfest.org/

Quellen/Literatur

http://www.rock-links.de/texte/riotgirls.html

http://www2.gender.hu-berlin.de/gendermediawiki/index.php/Ladyfest

http://zinewiki.com/index.php?title=Category:Feminism

http://www.ladyfest.org/

http://grrrlzines.net/zines/N.htm

Jayne Armstrong: “Web Grrrls, Guerilla Tactics: Young Feminismus on the Web” in: Web. Studies 2nd Edition, David Gauntlet (2004)

Katja Kailer, Anja Bierbaum:“ Girlism, Feminismus zwischen Subversion und Ausverkauf“, Berlin 2002

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki