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Reichstag

Satellitenbild, Reichstag, mit Paul-Löbe-Haus, Kanzleramt

[1] [2] Der Umbau:

Baustelle Reichstag„Sitz des Deutschen Bundestages ist Berlin“ – diesen Beschluss fasste der Bundestag am 20. Juni 1991 in Bonn mit einer knappen Mehrheit von nur 18 Stimmen. Vor dem Umzug von Parlament und Regierung musste das Reichstagsgebäude zu einem modernen Plenargebäude umgebaut werden. 1993 wurde dafür ein Realisierungswettbewerb ausgeschrieben. Die wesentlichen Planungskriterien waren Transparenz, Übersichtlichkeit und eine vorbildliche Energietechnik. Aus 80 eingereichten Entwürfen wurden drei Preisträger gleichrangig ausgewählt: Sir Norman Foster (England), Pi de Bruijn (Niederlande) und Santiago Calatrava (Spanien). Foster hatte ein freistehendes, transparentes Dach über dem eigentlichen Gebäude und Teilen der Umgebung geplant, ein Vorschlag, der aus ästhetischen Erwägungen („Deutschlands größte Tankstelle“), aber auch wegen der zu erwartenden Kosten von 1,3 Milliarden Mark keine ausreichende öffentliche Zustimmung fand. In einer Überarbeitungsphase setzte er sich dann mit einem völlig neuen Entwurf gegen seine beiden Konkurrenten durch.

Auch in dem neuen Entwurf hatte Foster für das Dach des Reichstags keine Kuppel vorgesehen. In seinen Erläuterungen distanzierte er sich sogar ausdrücklich von jeder Erhebung auf dem Dach, die „aus rein symbolischen Gründen“ gebaut würde; weder einen Schirm (ähnlich dem ursprünglichen Entwurf) noch eine Kuppel könne er empfehlen. Diese Position ließ sich nicht halten. In den Jahren 1994/95 mussten auf Druck der politischen Entscheidungsträger die Vorschläge für die Gestaltung des Daches mehrfach überarbeitet werden. Am 8. Mai 1995 wurde Fosters endgültiger Entwurf für eine gläserne, begehbare Kuppel vorgestellt, dem die Abgeordneten zustimmten. Der Architekt Calatrava erhob daraufhin den Vorwurf, dies sei ein Plagiat seines eigenen Wettbewerbsbeitrags, der eine transparente Kuppel ähnlicher Form vorsah. Nach Gutachten und Gegengutachten setzte sich die Ansicht der meisten Fachleute durch, wonach für ein traditionelles architektonisches Gestaltungselement wie eine Kuppel kein besonderer Rechtsschutz beansprucht werden könne.


[3] Zwischenspiel: Christo [Bearbeiten]Das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude hatte sein Projekt „Verhüllter Reichstag“ (engl. Wrapped Reichstag) seit 1971 propagiert. Im Januar 1994 fand im Bonner Bundestag eine abschließende Plenardebatte darüber statt, ob ein nationales Symbol von der Bedeutung des Reichstages Objekt einer solchen Kunstaktion werden sollte. Die Mehrheit stimmte dafür. Vom 24. Juni bis zum 7. Juli 1995 war das Gebäude vollständig mit silberglänzendem, feuerfestem Gewebe verhüllt und mit blauen, gut 3 cm starken Seilen verschnürt. Die sommerliche Aktion nahm rasch den Charakter eines Volksfestes an. Fünf Millionen Besucher waren in den zwei Wochen vor Ort. Die Resonanz in den internationalen Medien machte das Reichstagsgebäude weltweit bekannt.


[4] Die Kuppel:

Die nachträglich konzipierte Kuppel hat sich zur vielbesuchten Attraktion und zu einem Wahrzeichen Berlins entwickelt. Besucher können das Gebäude durch das Westportal betreten. Nach einer Sicherheitskontrolle gelangen sie mit zwei Fahrstühlen zunächst auf das 24 Meter hoch gelegene, begehbare Dach (im hinteren Bereich der Dachterrasse befindet sich das kleine Restaurant „Käfer“). Die dort aufgelagerte Kuppel misst 38 Meter im Durchmesser, hat eine Höhe von 23,5 Meter und wiegt 1200 Tonnen. Ihr Stahlskelett besteht aus 24 senkrechten Rippen im Abstand von 15 Grad und 17 waagerechten Ringen mit einem Abstand von 1,65 Meter, verkleidet mit 3000 Quadratmeter Glas. An der Innenseite winden sich zwei um 180 Grad versetzte spiralförmige ungefähr 1,8 Meter breite Rampen von jeweils 230 Meter Länge hinauf zu einer Aussichtsplattform 40 Meter über Bodenniveau – beziehungsweise wieder hinunter zur Dachterrasse. Die Scheitelhöhe der Kuppel liegt bei 47 Meter über dem Boden – deutlich niedriger als bei Paul Wallot.[4] Täglich werden im Durchschnitt 8000 Besucher gezählt.


Quellen: Wikipedia

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